Hallo Remmi,
die Erfahrungen, die Du und Deine Frau gesammelt haben finde ich sehr interessant.
Mein Freund, der ebenfalls seit einigen Jahren im Wohnmobil lebt, sieht es so ähnlich
wie Ihr. Auch für ihn hat sich die Wertigkeit vieler Dinge enorm verändert. Was früher
unverzichtbar, ja sogar lebensnotwendig, erschien, ist heute angenehmer Luxus, auf
den man eigentlich auch sehr gut verzichten kann. Wohingegen bisher völlig unschein-
bare Dinge neu entdeckt werden und plötzlich an Wert gewinnen.
Ich gebe Dir völlig Recht, dass nicht jeder für ein Leben im Wohnmobil geeignet ist.
Das verhält sich so ähnlich, wie mit den Auswanderern. Im Urlaub entdecken Menschen
ihr Gefallen an einem Land. Sie werden verzaubert von der Landschaft, dem Klima
und/oder den freundlichen Menschen. Und schwupps-di-wupps ist ER da - der Gedanke
vom Auswandern. Auswandern in ein "besseres" Land, in ein schöneres Leben. Doch es
ist ein großer Unterschied, ob man in einem Land seinen Urlaub auf angenehme Art und
Weise verbringt oder dort seinen Lebensunterhalt verdienen muss. Genauso verhält es
sich auch mit dem Leben im Wohnmobil. Es ist super, seinen Urlaub im Womo zu
verbringen. Doch es ist etwas völlig anderes, über mehrere Jahre konstant darin zu leben!
Es ist eine besondere Lebenseinstellung, zu der man sich bekennt.
Mich würde es reizen, für zwei oder drei Jahre in einem Womo zu leben. Mich auf das
wesentlich wieder im Leben zu konzentrieren... Abstand zu nehmen vom Überfluss und dem
Massenkonsum. Wieder mehr Bescheidenheit lernen und weniger fordernd zu sein. Manchmal
erschrecke ich selbst vor mir und meinem Konsum- und Sozialverhalten, das mir in all den
Jahren antrainiert wurde. Und es wird für mich noch ein längerer Umdenkprozess werden,
bis ich all diese Verhaltensweisen neutralisiert habe. Ein wichtiger Schritt für mich in die
richtige Richtung war, dass ich in den letzten Monaten mich von sehr viel "Ballast" aus meiner
Wohnung und aus meinem Leben getrennt habe. Ich habe das unerklärliche Gefühl, dass ich
ein "Schiff" (= mein Leben?) auf eine lange Reise vorbereite. Und je weniger Ballast ich an
Bord habe, desto schneller komme ich voran. Das genaue Ziel dieser Reise kann ich derzeit
noch nicht durch Worte greifbar machen. Doch die exakte Richtung steht fest - das sagt mir
zumindest mein Bauchgefühl.
Ich weiß! Ich bin ein Spinner - aber ein ganz sympathischer!
Obwohl ich mich nicht in Deiner Situation befinde, kann ich sehr gut die Angst vor der
Sesshaftigkeit (hervorgerufen durch die Eigentumswohnung) nachvollziehen. Manchmal
fühlt sie sich wie ein großer Kloß im Hals an. Ein erdrückendes Gefühl. Bestimmt bietet
eine Wohnung sehr viele Vorzüge. Du hast mehr Raum und besseren Schutz als in einem
Wohnmobil. Solch eine Wohnung stellt auch eine soziale Basis in unserer Gesellschaft dar.
Denn ohne Wohnung zählt man schnell zu einer sozialen Randgruppe. Man wird "schief"
angeschaut. Man ist anders. Und Anderssein bedeutet, nicht dazu zu gehören - zu denen,
die z.B. in Wohnungen leben. Doch diese Sicherheit und Bequemlichkeit kann ganz schnell
zu einem "goldenen Käfig" werden. Ist es das Wert?
Erwähnte ich schon, dass ich ein Spinner bin?
Gruss
Peter
