nachdem ich ja mit meinen 45 Lenzen schon so ziemlich immer alles an unseren Fahrzeugen in der Werkstatt machen lasse, wollte ich mal wieder selbst ran.
Die Stoßdämpfer (ich glaube, heute sagt man "Schwingungsdämpfer") unseres BMW E46 Touring hinten waren hin. Spätestens, nachdem das gesamte Öl des linken Dämpfers gleichmäßig in unserer Einfahrt verteilt war
Die neuen Stoßdämpfer lagen bereit, von meinem Bruder hatte ich mir Auffahrrampen geliehen, somit musste ich die Räder nicht abschrauben. Zuerst aber mussten die Seiten-Verkleidungen im Kofferraum abgebaut werden, damit fing´s schon an. Bis ich die ganzen Teile (Kofferraum-Beleuchtung, Lautsprecher, Aufnahme für Gepäcknetz, Sicherheitsgurt-Aufnahmen li+re, Zurrösen, 12V-Steckdose, weiss-nich-was-noch-alles) abgefummelt hatte, war schon pro Seite über eine Stunde rum. Da hatte ich nun einen riesen Haufen Verkleidungsteile da rumfliegen und jede Menge Schrauben, Muttern, Clipse, mannomann. Und am schlimmsten waren dann die "Unter-Verkleidungen" (Lärmdämmung?), die sich hinter jeder Menge dicken Kabelsträngen versteckten. Diverse andere Teile mussten dann auch noch runter, irgendein Elektro-Kram, von dem ich nicht mal ansatzweise wusste, wofür der gut sein soll. Unglaublich, was sich da überall hinter den Verkleidungen an kleinen Böxchen, Döschen, Sicherungskästchen usw. verbirgt! Und die ganze Schrauberei natürlich in der unmöglichsten Körperhaltung. Hab ganz vergessen, wie sehr so ein Rücken weh tun kann.
Nachdem ich den ganzen Mist also auseinander gepopelt habe, konnte ich die Federbeinlager von oben lösen. Links ging super - rechts war nur noch ein aufgequollener Haufen Rost statt Muttern
Im Internet hatte ich mich schon vorher schlau gemacht, was für Werkzeug ich brauchte - 10er, 13er, 17er Nuss, 6er Gabelschlüssel, Schraubendreher, Flachzange, Knarre, Verlängerungen. Als ich dann (auf meiner Fitness-Matte
Nachdem der Dämpfer also nun ausgebaut vor mir lag, stellte ich fest, dass es keine ganz so gute Idee war, die Domlager (Federbeinlager) nicht auch direkt neu zu kaufen. Die Stangen der Dämpfer waren oben so verrostet und aufgequollen, ein Wunder dass die nicht gebrochen sind. Somit ließ sich das Domlager auch nicht mehr zerstörungsfrei abziehen. Dummerweise war meine Frau nun mit dem anderen Auto weg. Aber ich hab ja noch ne Mama, die freut sich immer wenn sie mir ihr Auto leihen kann. Also ab zum Autoteile-Händler mit den drei Buchstaben, die hatten die Teile zum Glück vorrätig. Wieder zu Hause stellte ich fest, dass der Teller für den Anschlagbegrenzer auch nicht vom alten Dämpfer abging. Also mit der PUKI-Säge das alte Domlager zersägt, damit ich dann mit der großen Flex die Stange direkt am Teller durchtrennen konnte. Der Teller war schon ein bisschen krumm, weill ich vorher mit nem 2-Kilo-Motteck den ollen alten sch...-Dämpfer bearbeitet hatte, was natürlich gar nix gebracht hatte. Naja, konnte mit ein paar gezielten Hieben auch wieder gerichtet werden. Mittlerweile hatte ich den halben Inhalt meines Werkzeug-Kellers im Hof ausgebreitet. Warum sieht das im Internet immer alles so einfach aus???
Aaaaber: jetzt kam ja der "schöne Part", die neuen Dämpfer einbauen. Passte auch alles super und ging einwandfrei. Verwunderlicher Weise konnte ich dann auch die 5274 Verkleidungs- und Anbau-Teile in der richtigen Reihenfolge wieder zusammen bauen, ich hatte noch nicht mal eine Schraube übrig hinterher. Gut eine Stunde brauchte ich dann noch, um das ganze Werkzeug wieder weg zu räumen.
Die Probefahrt konnte ich dann hervorragend damit verbinden, meinem Bruder das geliehene Werkzeug und die Auffahrrampen zurück zu bringen. Nachdem ich das erledigt hatte und nach Hause fahren wollte, kam eine (vermutlich) marokkanische Frau mit Kopftuch auf mich zu mit der Frage "Du wisse Gustav-Mahler-Straße?" Eine ungefähre Ahnung hatte ich, war mir aber nicht sicher. Auf jeden Fall war die Dame hier total verkehrt. Also bot ich ihr an, sie mit zu nehmen, da das eh auf meinem Heimweg lag. "Da noch zwei Fraue" schaute sie mich an. Ich sagte ihr, das wäre kein Problem, das Auto sei ja schließlich leer. Also holte die Dame noch die "zwei Fraue". Da diese drei Grazien eher in der Schwergewichts-Liga anzusiedeln waren, war das auch gleichzeitig ein hervorragender Stoßdämpfer-Test, den unser Autochen mit Bravour bestanden hat. Sogar die Straße hab ich gefunden
So, nachdem das vermutlich die poetischste "Stoßdämpfer-wechsel-Beschreibung" geworden ist, die jemals verfasst wurde, sollte ich mal langsam zum Ende kommen.
Fazit: mit ca. 8 Stunden Bastelzeit, verbunden mit Fahrten zur Werkzeug- und Ersatzteilbeschaffung, ca. 1000 verbrauchten Flüchen, total verdreckten und verschrammten Händen, Rückenschmerzen, Chaos im Werkzeug-Keller (räum ich irgendwann mal richtig auf...), der Frage wohin mit den alten verölten Dämpfern usw. muss ich zu dem Schluss kommen, dass das ökonomisch betrachtet eher fragwürdig ist.
Aaaaber: das wirklich richtig gute Gefühl, das selbst geschafft zu haben, verbunden mit dem deutlich verbesserten Fahrgefühl ohne Poltergeräusche, ist auch was wert
Fröhliche Bastelzeit wünsch ich Euch!
