Indianer und anderes Gefieder
Verfasst: Do 25. Jun 2009, 10:11
Juhu,
gestern Abend auf meinem Weg von der Arbeit nach Hause, saß er dort.
Mitten auf dem Fahrradweg, ein kleines zerzaustes Bündel Hilflosigkeit - ein Wellensittich.
Ich voll die Superbremsung hingelegt und abgesprungen. Vorsichtig gebückt und den Piepmatz ganz vorsichtig in meine Hand genommen. Leute, ich sag euch, da geht einem das Herz auf. Er hat sein Köpfchen in meine Hand gekuschelt und war ganz ruhig.
Ok, so weit so gut. Ein alter Indianerehrenkodex verlangt, dass man für denjenigen, dessen Leben man rettet, verantwortlich ist. Und da ich ja im Grunde meines Herzens selbst auch Indianer bin - jedenfalls wollte ich das früher immer sein - hatte ich ab dieser Stelle ein Problem. Denn außer meinem Schatzi, wohnen bei mir zu Hause ja noch die eigentlichen Hausherren: Kater "Mikesch" und Katze "Frau Erna". Und obwohl ich die beiden wirklich vollstopfe mit dem Feinsten aller Katzennahrungsprodukte, hätte der Kleine null Überlebenschance bei uns.
Egal, erst mal den Welli in die Packtasche gepackt - da hat er ein wenig gemeckert. Schön abgepolstert auf meine Klamotten, Luftloch gelassen und weitergefahren. Mir wird schon was einfallen. Ist mir auch. Ein paar Straßen weiter bei uns, gibt es einen Veterinär. Den kannte ich zwar nocht nicht, aber der wird mir schon helfen. Pustekuchen! Der nette Onkel Doktor hat den Vogel untersucht, für gesund befunden und mir zurück in die Hand gedrückt. "Nee, nee, der kann nisch hierbleiben. Wir sind doch kein Tierasyl. Setzen Sie doch eine Anzeige in die Zeitung und behalten Sie den solange" Nee, is klar. Ohne Käfig, mit zwei getigerten Katzen, die sich schon das Lätzchen umgebunden haben, kann der echt prima bei mir wohnen, bis er natürlich ganz schnell wieder abgeholt wird. Vielen Dank Herr Doktor, Armleuchter.
Also ich, Piepmatz wieder eingepackt (wenigstens hat er mir einen alten Karton gegeben) und ab damit nach Hause. Zuhause ins Esszimmer und Tür zu, schnell Wasser geholt und Vögelchen erst mal trinken lassen. Nachdem Welli erst mal seinen Durst gestillt hat, ist er mir auf die Schulter geflogen und hat sich in meine Halsbeuge gekuschelt und sich nicht mehr bewegt. Jetzt schnell gegoogelt nach Tierheimen - Mist! Alle schon zu. Mittlerweile war es dann 18:00 Uhr, Schatzi kommt nach Hause. Und wenn jetzt einer glaubt, dass meine heroische Tat gewürdigt wurde - weit gefehlt. "Das hättest du besser nicht getan, die Leute suchen den jetzt bestimmt da, wo du ihn gefunden hast. Jetzt wird der nie wieder nach Hause kommen usw." Nee is klar, die suchen ihn direkt mitten auf dem Radweg an der Militätringstraße in Köln, abends um halb sechs - wer das Verkehrschaos da kennt, weiß was ich meine. Ich also, ein wenig pikiert aber immer noch von meiner Vorgehensweise überzeugt, google weiter und rufe einfach den nächsten Tierarzt an, der auf dem Monitor erscheint und frage um Rat. Und da kommt die Rettung. Ich darf ihn dorthin bringen (es wäre heute schon der dritte Vogel, hat sie gemeint).
Also fährt mein Lieblingsmensch - der immer noch etwas verstimmt ist - mich und Welli zur Tierarztpraxis. Abends um halb sieben quer durch Köln zu juckeln ist jetzt auch nicht so sehr entspannend und ich hab´ während der Fahrt lieber nicht gesprochen. Wir sind dann endlich angekommen und Welli wurde noch mal untersucht. Frau Doktor meinte, die Kleine wäre sehr dünn und ganz schön schwach und bestimmt schon eine lange Zeit draußen. Von wegen die suchen den bestimmt, pah! Dann durfte sie zu den anderen Kollegen in einen Riesenkäfig und hat sich sofort auf´s Futter gestürzt. Sie darf dort bleiben, bis sie entweder abgeholt wird oder nach einiger Zeit neu vermittelt wird. Ganz liebe Ärztin, völlig unkompliziert. Sie hat immer Findeltiere, um die sie sich kümmert. Ich fand´s toll habe mich bedankt und von Welli verabschiedet, ich meine, Welli hätte mir zugeblinzelt!
Ich war auch ein wenig traurig - war aber auch wirklich außergewöhnlich lieber und verschmuster Piepmatz - aber *schulterzuck* die Katzen halt!
Mein Lieblingsmensch hat dann gemeint, ich hätte das wohl doch richtig gemacht und mich gelobt, *freu* Liebervollerweise hatte Welli mir in meiner Packtasche auf meinen Klamtotten ein kleines Andenken hinterlassen.
Also, wenn ihr zufällig jemanden in Köln kennt, dem eine verschmuste Wellensittichdame in den Farben Blau/Grün entflogen ist (sie trägt übrigens auch einen Ring), der kann sich bei mir die Adresse ihres momentanen Aufenthaltes erfragen.
Heute morgen musste ich dann versprechen, dass ich heute "nix anstellle" aber liebe Leute, was ist schon ein Versprechen gegen einen Indianerschwur..............
Schönen Tag euch Allen wünscht Andrea
gestern Abend auf meinem Weg von der Arbeit nach Hause, saß er dort.
Mitten auf dem Fahrradweg, ein kleines zerzaustes Bündel Hilflosigkeit - ein Wellensittich.
Ich voll die Superbremsung hingelegt und abgesprungen. Vorsichtig gebückt und den Piepmatz ganz vorsichtig in meine Hand genommen. Leute, ich sag euch, da geht einem das Herz auf. Er hat sein Köpfchen in meine Hand gekuschelt und war ganz ruhig.
Ok, so weit so gut. Ein alter Indianerehrenkodex verlangt, dass man für denjenigen, dessen Leben man rettet, verantwortlich ist. Und da ich ja im Grunde meines Herzens selbst auch Indianer bin - jedenfalls wollte ich das früher immer sein - hatte ich ab dieser Stelle ein Problem. Denn außer meinem Schatzi, wohnen bei mir zu Hause ja noch die eigentlichen Hausherren: Kater "Mikesch" und Katze "Frau Erna". Und obwohl ich die beiden wirklich vollstopfe mit dem Feinsten aller Katzennahrungsprodukte, hätte der Kleine null Überlebenschance bei uns.
Egal, erst mal den Welli in die Packtasche gepackt - da hat er ein wenig gemeckert. Schön abgepolstert auf meine Klamotten, Luftloch gelassen und weitergefahren. Mir wird schon was einfallen. Ist mir auch. Ein paar Straßen weiter bei uns, gibt es einen Veterinär. Den kannte ich zwar nocht nicht, aber der wird mir schon helfen. Pustekuchen! Der nette Onkel Doktor hat den Vogel untersucht, für gesund befunden und mir zurück in die Hand gedrückt. "Nee, nee, der kann nisch hierbleiben. Wir sind doch kein Tierasyl. Setzen Sie doch eine Anzeige in die Zeitung und behalten Sie den solange" Nee, is klar. Ohne Käfig, mit zwei getigerten Katzen, die sich schon das Lätzchen umgebunden haben, kann der echt prima bei mir wohnen, bis er natürlich ganz schnell wieder abgeholt wird. Vielen Dank Herr Doktor, Armleuchter.
Also ich, Piepmatz wieder eingepackt (wenigstens hat er mir einen alten Karton gegeben) und ab damit nach Hause. Zuhause ins Esszimmer und Tür zu, schnell Wasser geholt und Vögelchen erst mal trinken lassen. Nachdem Welli erst mal seinen Durst gestillt hat, ist er mir auf die Schulter geflogen und hat sich in meine Halsbeuge gekuschelt und sich nicht mehr bewegt. Jetzt schnell gegoogelt nach Tierheimen - Mist! Alle schon zu. Mittlerweile war es dann 18:00 Uhr, Schatzi kommt nach Hause. Und wenn jetzt einer glaubt, dass meine heroische Tat gewürdigt wurde - weit gefehlt. "Das hättest du besser nicht getan, die Leute suchen den jetzt bestimmt da, wo du ihn gefunden hast. Jetzt wird der nie wieder nach Hause kommen usw." Nee is klar, die suchen ihn direkt mitten auf dem Radweg an der Militätringstraße in Köln, abends um halb sechs - wer das Verkehrschaos da kennt, weiß was ich meine. Ich also, ein wenig pikiert aber immer noch von meiner Vorgehensweise überzeugt, google weiter und rufe einfach den nächsten Tierarzt an, der auf dem Monitor erscheint und frage um Rat. Und da kommt die Rettung. Ich darf ihn dorthin bringen (es wäre heute schon der dritte Vogel, hat sie gemeint).
Also fährt mein Lieblingsmensch - der immer noch etwas verstimmt ist - mich und Welli zur Tierarztpraxis. Abends um halb sieben quer durch Köln zu juckeln ist jetzt auch nicht so sehr entspannend und ich hab´ während der Fahrt lieber nicht gesprochen. Wir sind dann endlich angekommen und Welli wurde noch mal untersucht. Frau Doktor meinte, die Kleine wäre sehr dünn und ganz schön schwach und bestimmt schon eine lange Zeit draußen. Von wegen die suchen den bestimmt, pah! Dann durfte sie zu den anderen Kollegen in einen Riesenkäfig und hat sich sofort auf´s Futter gestürzt. Sie darf dort bleiben, bis sie entweder abgeholt wird oder nach einiger Zeit neu vermittelt wird. Ganz liebe Ärztin, völlig unkompliziert. Sie hat immer Findeltiere, um die sie sich kümmert. Ich fand´s toll habe mich bedankt und von Welli verabschiedet, ich meine, Welli hätte mir zugeblinzelt!
Mein Lieblingsmensch hat dann gemeint, ich hätte das wohl doch richtig gemacht und mich gelobt, *freu* Liebervollerweise hatte Welli mir in meiner Packtasche auf meinen Klamtotten ein kleines Andenken hinterlassen.
Also, wenn ihr zufällig jemanden in Köln kennt, dem eine verschmuste Wellensittichdame in den Farben Blau/Grün entflogen ist (sie trägt übrigens auch einen Ring), der kann sich bei mir die Adresse ihres momentanen Aufenthaltes erfragen.
Heute morgen musste ich dann versprechen, dass ich heute "nix anstellle" aber liebe Leute, was ist schon ein Versprechen gegen einen Indianerschwur..............
Schönen Tag euch Allen wünscht Andrea