Servus Georg452,
Georg452 hat geschrieben:Manche verstehen scheinbar nicht, was ich meine.
Ist das so schwer?
Nein, Georg452, das ist es nicht. Nur teile zum Beispiel ich Deine Meinung eben ganz und gar nicht. Und genau das meinte ich mit Toleranz.
Wie an anderern Stellen im Forum vielfach nachzulesen, gibt es ganz unterschiedliche Wonmobil-"Camper". Die einen (und dazu zähle ich mich) meiden Stell- und Campingplätze nach Möglichkeit, andere wollen unbedingt dorthin (Du offenbar). Das hängt natürlich stark davon ab, wie man als Wohnmobilist "sozialisiert" wurde. Ich bin z.B. seit meiner Jugend mit dem Zelt unterwegs und mag den Trubel auf Campingplätzen trotzdem nicht. Schon vor Jahren stellte ich mein Zelt lieber allein am griechischen Strand unter Pinien oder irgendwo in der skandinavischen Wildnis auf, als in enger Nachbarschaft zu anderen Campern, in der Regel auch noch hinter einer Mauer, einer Hecke oder einem Zaun, z.T. viele hundert Meter vom Strand oder meinem Ziel entfernt. Angst hatte ich dort nie, die nötige "Infrastruktur" hat sich immer irgendwo finden lassen, und nach einigen Tagen dann meist dann doch ein ansprechender Campingplatz.
Froh war ich aber, als ich in späteren Jahren durch den Selbstausbau eines Wohnmobils viel unabhängiger war: der Besuch von Campingplätzen war dann die absolute Ausnahme: In Städten, wo die Sicherheitslage fragwürdig war (z.B. Rom), war es aber klar, dass man auf einem Campingplatz besser untergebracht war. Vier Wochen Norwegen gänzlich ohne Campingplatzbesuch waren aber problemlos machbar, des Budget eines Studenten war durch Anreise, Sprit und Lebenshaltung schon genügend strapaziert. Übrigens "Stellplätze" für Wohnmobile hatte damals noch niemand erfunden...
Erst Reisen mit dem Nachwuchs haben die Urlaubsgewohnheiten ein wenig verändert, das reinigende Bad im Fluss oder See wollten wir nicht immer unserer kleinen Tochter zumuten, aber auch der Kontakt zu anderen Kindern war auf Campingplätzen eine durchaus willkommene Abwechslung.
Heute reisen wir wieder allein, müssen nicht auf den letzten Euro schauen - und trotzdem fühlen wir uns, je nach Urlaubsziel, abseits von Campingplätzen meist am wohlsten - mit einigen Ausnahmen:
In Großstädten sind Stellplätze oft ein Sicherheitsgewinn (obwohl: beim letzten Berlintrip übernachteten zwei Kriminaler im PKW neben uns - auf einem Stellplatz mit Zaun und Tor. Rate mal warum...), ebenso bei längeren Bootstouren, wenn wir das Womo für ein paar Tage stehen lassen.
Wir haben kein Problem, wenn in Altstadtnähe ein schön ausgebauter Stellplatz gegen geringe Gebühr zu Verfügung steht, diesen zu benutzen (z.B.Hassfurt), gleichzeitig aber das Parken auf anderen Parkplätzen im Ort für Wohnmobile wie PKW kostenlos ist (auch während der Nacht).
Wenn ich keinen Stell- oder Campingplatz brauche, sehe ich aber nicht ein, einen solchen zu bezahlen.
Ich kaufe mir auch kein Bier, wenn ich keinen Durst habe, oder schon eines im Kühlschrank liegt.
Möchte ich aber in netter Gesellschaft am Abend in ein Kneipe gehen, zahle ich dafür gerne den geforderten Preis. Seltsam würde mir vorkommen, wenn der Kunde neben mir im Getränkemarkt ein "Empfehlung" für eine Gaststätte im Ort aussprechen würde - Dir nicht auch?
Georg452 hat geschrieben:...Es störte mich überhaupt nicht, daß er dort stand.
Naja ein bisschen schon. Wie kann man nur. ...
Um Dir die Einstellung anderer Wohnmobilreisender näher zu bringen, noch ein paar Bilder:
Hier, im südlichsten Schweden, übernachten wir gerne. Es gibt keine fünfhundert Meter weiter einen günstigen Stellplatz. Der liegt aber noch näher an der Durchgangsstraße, der Strand dafür mehrere hundert Meter entfernt. Wir stehen also immer dort, wo es uns besser gefällt. Der offizielle Stellplatz liegt neben einem öffentliche WC, dort kann jedermann kostenlos entsorgen - wir auch.
am Strand.jpg
Du würdest auf dem Stellplatz stehen.
Nur wenige hundert Meter neben diesem schönen Platz an einem Fluss in Lappland war an einer Fernstraßenkreuzung ein kostenloser Stellplatz mit schön angelegten Parkbuchten und WC / Entsorgung. Er war gut besucht, der Fluss aber einige Meter entfernt. Wir sind daher weitergefahren.
Feuerstelle am Fluss.jpg
Du wärst dort stehengeblieben, hättest aber einen schönen Abend am Lagerfeuer verpasst und nicht den Sonnenuntergang über dem Fluss genießen können.
Abenstimmung am Fluss.jpg
Dieser schöne Platz am Ende einer nicht mehr genutzen Straße, die in einem Stausee endet, hättest Du nicht gefunden (weil in keinem Stell- oder Campingplatzführer verzeichnet). Wir waren gleich zwei Nächte dort - es war wunderschön!
Freisteher am Fluss.jpg
Gespart haben wir zwar, dafür aber jede Menge an Freude gewonnen!
Daher mein Appell an Dich, Georg452, lass die Menschen in Ihren Womos übernachten, wo sie wollen - und vielleicht riskierst Du mal ein Nacht oder zwei außerhalb von Stell- oder Campingplätzen - Du wirst sehen es funktioniert und macht Spaß, auch wenn man nicht sparen muss... !
Grüße
Tourist