Wer´s glaubt wird selig, wer nicht, muss auch warten

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GO207
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Re: Wer´s glaubt wird selig, wer nicht, muss auch warten

Beitrag von GO207 » Mo 19. Nov 2018, 16:27

Hallo,
auch wenn diese Beiträge nun offensicht von ihrem Ursprung abgleiten, sind sie doch
gleichwohl sehr interessant.
Mehr als 15 Jahre habe ich für ein Versicherungsunternehmen Accecmentcenter durchgeführt.
Diese AC sollten bei der Einstellung von Lehrlingen aber auch bei freiberuflichen Mitarbeitern
eine Meinungsgrundlage bilden. Die Bewerber hatten ausnahmslos Abitur und kamen frisch
von der Penne.
Viele tolle junge Menschen habe ich kennengelernt; allerdings war die Mehrzahl dieser Bewerber
kaum geeignet, einer härteren Konfrontation in Form von Fragen standzuhalten. Da lagen dann
diese verhätschelten Geschöpfe wie Maikäfer auf dem Rücken; ihre "Bodyguards" waren eben 
nicht dabei. Nicht das der Eindruck entsteht, wir hätten sie zu hart angefasst oder hätten uns
über diese Hilflosigkeit gefreut. Weit gefehlt, sie hatten oft mein Mitleid jedoch für eine
Ausbildung als Versicherungskaufmann (nix besonders) kaum geeignet.
 
Noch eine Geschicht von der Supermarktkasse:
Steht ein junger Mann in der Warteschlange und wird dauernd vom Einkaufswagen hinter ihm
in die Hacken gefahren. Das kleine Kind, begleitet von seiner Mutter, schob diesen Wagen und
hatte trotz Aufforderung, das zu unterlassen, wohl richtig Spaß daran, dem jungen Mann in die
Fersen zu fahren. Als er dann die Mutter streng aufforderte, daß doch ihrem Kind zu verbieten,
antwortete diese. " Das mach ich nicht, mein Kind wurde antiautoritär erzogen". Der junge Mann
drehte darauf seelenruhig ein Honigglas auf, goß den Inhalt dem "Blag" über den Kopf und sagte:
"Ich auch".

Gruß
Horst



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Re: Wer´s glaubt wird selig, wer nicht, muss auch warten

Beitrag von janoschpaul » Mo 19. Nov 2018, 18:49

Ist ja witzig Horst, die Geschichte mit der Supermarktkasse ist immer noch unterwegs. ;-)



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Re: Wer´s glaubt wird selig, wer nicht, muss auch warten

Beitrag von harcon » Di 20. Nov 2018, 19:57

gelöscht weil sinnlos



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Re: Wer´s glaubt wird selig, wer nicht, muss auch warten

Beitrag von Lira » Di 20. Nov 2018, 20:42

Ach Harcon – hättest Du die letzten Beiträge nur noch einmal in Ruhe durchgelesen.
Du hättest bemerkt, dass Dir niemand irgendwie einen Vorwurf gemacht oder Dein Enkelchen als schlecht erzogen diffamiert hätte.
Beinahe würde ich Dir gerne die goldene Mimose überreichen wollen.......

ICH verwahrte mich eigentlich nur da-gegen, dass es so viele Kinder heutzutage gibt, die allesamt jedes für sich „außergewöhnlich“ und „ganz besonders“ sind.
Wie sollen wir mit den anderen umgehen? Sollen wir denen sagen, dass sie „weniger wert“ seien? Was richten wir damit an?

Bin somit raus aus dieser Diskussion, wünsche aber fröhliches DARÜBER Nachdenken.

Wäre wünschenswert, dass auch andere Kinder und Kindeskinder, ausser die eigenen Leibesabkömmlinge, gute Menschen sein können.
Und natürlich viele Späße mit dem eigenen Enkele….



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Re: Wer´s glaubt wird selig, wer nicht, muss auch warten

Beitrag von harcon » So 23. Dez 2018, 00:13

Ein Abschied.

  Oskars Räder rollen für den Sieg. Den Sieg über Distanzen, die wir sonst mit unserer schicken fest installierten Wohn-Klo-Kochgelegenheit nicht einfach so, quasi per dösigem Wimpernschlag, überbrücken könnten. Mit Oskar geht so etwas und deshalb war ich seit einer Stunde in trostloser Fahrt Richtung Odenwald unterwegs, um dort den kleinen aber an der Mümling gelegene Stellplatz, unser altes Heim, sozusagen zu erfahren.

  Auffällig bei dieser Anfahrt war mir wieder, dass ich ziemliche Probleme habe, mich bei monotonem Dahinrollen lange auf die Fahrerei zu konzentrieren. Solange da nichts in den Weg huscht, also keine vermeintliche Gefahr meinen Weg zu kreuzen versucht, so lange praktiziere ich, ich will's mal zeitaktuell formulieren, tempomatisiert autonomes Fahren. Na jedenfalls verfiel ich recht schnell in Träumereien und in Erinnerungen, die von ganz weit hinten, bis vor kurzem reichten. Die Raststättenbetreibergesellschaften liefern halt leider nur jede Menge Futter für Magen und Darm aber leider nichts für die brach liegenden Gehirnzellen.

  Schloss Holte Stukenbrock war noch lange nicht in Sicht, da waren meine Gedanken schon ganz woanders:

  Ein VW Käfer fährt an Walter und mir vorüber und Walter freut sich. Hat er doch das Fabrikat am Klang des Motors vorhergesagt. Auch einen Opel und zwei weitere Fahrzeuge davor hatte er schon richtig angekündigt. Walter war schon ein Ass, wenn es um Autos am Motorgeräusch erkennen ging. Ich selbst war da nicht so beschlagen. Meine Träume drehten sich eher um den Mann in den Bergen, um den einsamen Cowboy, der übers Land reitet, halt den kleinen Abenteurer.

  Es war die Zeit der kleinen, schmalen schwarz-weiß-Comic-Heftchen mit ihren immerwährend siegreichen Helden. Eine Welt weit weg und unerreichbar für einen kleinen Jungen. Doch für zehn, allenfalls zwanzig Pfennig das Stück am Kiosk zu haben. Es war die Zeit, in der ich so sieben oder acht Jahre alt war. Als noch nicht mehr als 10 Autos die Stunde vor uns vorbeifuhren, wenn wir so auf unserer Bank am Waldrand neben der B3 saßen. Es war auch die Geburtsstunde meines ersten Lebenszieles: Amerika!

  Dieses Amerika blieb viele Jahre mein Ort der Verheißung. Mystisch, geheimnisvoll und voller Verbrecher und Helden, welche die bösen Schurken immer besiegen. Dass es dieses Amerika wirklich geben musste, das war offensichtlich, denn zwar ganz selten nur, aber dennoch, fuhren echte Amerikaner in Jeeps und manchmal auch in Panzern, genauso wie die VWs, Opels oder Mercedese, vor uns auf der gleichen Straße vorbei und dann warfen uns manchmal die Soldaten sogar Bonbons, Kaugummis oder Schokolade zu. (Wobei ich nur die Kaugummis wollte, denn meine Mutter hatte mir verboten von Fremden Sachen zu nehmen und zu essen. Wer weiß was da drin ist, meinte sie. Kaugummis aber aß man ja nicht, man kaute sie nur. Von daher...). Außerdem erzählte mein Opa öfter davon, dass er und Oma sehr froh gewesen waren, als die Amerikaner endlich gekommen waren und die Nazis vertrieben hatten, denn die hatten seinen Sohn nach Russland an die Front geschickt, wo er totgeschossen worden war und dann weinte mein Opa immer. Was mir immer sehr leid tat.

  Es dauerte viele Jahre, bis dieses Amerika Form und Farbe anzunehmen begann, sich meine Sehnsüchte verfeinerten und sich aus dem Wunsch ein Held in Amerika zu werden, der Gedanke formte, als Cowboy quer durch Amerika zu reiten und irgendwo in den Weiten der Blauen Berge, als einsamer Mann heldenhaft zu leben. Es war halt mein Kindertraum, so wie es viele gibt.

  Viele Hefte, Zeitschriften, Bücher, Erzählungen, Filme, Jahre und Länder später, wurde aus Amerika Alaska und aus Heldentum der Traum einer Existenz in weitem Land. Urtümlich und kernig, zufrieden in Frieden und Glückseligkeit, wollte ich dort eine kleine Familie haben. Eine Familie die weitestgehend autonom und autark in einer Friede-, Freude-, Eierkuchenwelt lebt.

  Die Musik des Lebens spielte aber andere Töne. Neue Ziele und viele Gründe etwas zu tun oder eben nicht, ließen die Jahrzehnte verstreichen. Vieles ehemals Gutes wurde zu Schlechtem und vis versa. Wie bei allen anderen Menschen ebenfalls, berühren sich auch in meiner großen und kleinen Welt Glück, Gelingen und Scheitern unmittelbar. Ich verlor immer mehr meiner großen Lebensziele und damit Gründe zu leben. Denn zu was sonst lebt man noch, wenn man keine Ziele mehr hat.

  Zu guter Letzt blieb mir in einer Zeit großer seelischer Not nur noch ein großes Ziel aus fernen Tagen: Alaska. Und wie neugierig war ich darauf es zu erleben. Und wie groß war meine Angst, dass alles ganz anders sein würde. Genau wie mein ganzes Leben immer anders war als erträumt. Sollte ich wirklich riskieren, diesen uralten Traum zu zerstören und mein letztes großes Ziel riskieren? Sollte ich wagen, der Wahrheit ins Auge zu blicken und dabei womöglich erkennen, dass auch mein letzter Traum sich in Luft auflöst, nichts mit der Realität gemein hat?

  Einundfünfzig Jahre gereift, meine zweite Liebe im Arm. Die, welche als Erste der Meinung war, ich sollte doch nun endlich einmal mein Alaska besuchen. Die, die meinte, ich bräuchte doch keine Befürchtungen haben, meines letzten Zieles beraubt zu werden, denn sie wäre ja dabei und in der Tat, sie war und ist, inzwischen gemeinsam mit unserem Enkel, ein wirklich lohnender Grund weiterzuleben, um zu versuchen, dieses Leben in vollen Zügen so lange als möglich zu genießen.

  Ein Kreuzfahrtschiff brachte uns das erste Mal von Vancouver nach Alaska. Unser erster Hafen war das Städtchen Ketchikan. Gefolgt von Juneau, der Hauptstadt Alaskas, und Skagway einem alten Goldrusch-Städtchen und dann Wrangel, einem Ort im Nirgendwo, und kaum der Rede wert.

  Dieser erste Besuch war Alles in Allem geprägt von Empfindungen wie einzigartig, gigantisch, großartig und atemberaubend. Es war nicht so sehr das Entdecken unbekannten Landes, viel mehr ein Eintauchen in vorerfühlte Sphären, die sich bei Reisen zu anderen Zielen so nicht einstellen. Dieses Land, das ich aus meiner jugendlichen Erfahrungswelt heraus begehrte, ja liebte, doch ohne bis dato dort gewesen zu sein, bewirkt in mir eine unbeschreibliche, ja unfassbare Faszination.

  Dennoch, der Begriff „Faszination“, beschreibt nicht in vollem Umfang das, was mein Inneres bewegt, wenn ich mich in diesem Alaska aufhalte. Den fehlenden Teil zu benennen, der das gesamte angekommen-zu-sein-Empfinden ausmacht und das mich dort immer überkommt, ist mir einfach nicht mit einem einzigen Schlagwort möglich. Es ist das Große und Ganze und die sich daraus ergebende Mischung von Traum und erfahrener Wirklichkeit.

  Erst seit kurzem ist mir bewusst, dass sich dieses, sich zu diesem großartigen Land hingezogen fühlen, diese Begeisterung dafür, sich immer dann am intensivsten einstellt, wenn ich mich dort unter Umständen befinde, in denen normalerweise Todesangst das vorherrschende Gefühl wäre, diese aber wegen der real, komfortablen Lage, in der ich mich befinde, abwesend ist. Und übrigens eine Empfindung zu sein scheint, die sich nicht auf Alaska beschränkt, mir aber nur hier so deutlich vor Augen tritt. (Die Faszination des Lebensfeindlichen scheint wohl universell zu sein.)

  Schon seit längerem weiß ich, dass es in Alaska Orte gibt, an denen mich ein besonders intensives Gefühl von Hingabe, ja Befreiung überkommt. Mir ist dort, als würde mir meine Vergangenheit abhandenkommen. Wobei dies nur die sich aus dieser Vergangenheit ergebenden, unangenehmen Erinnerungen, Zwänge und Ängste betrifft. Der romantische und angenehme Teil meiner Erlebniswelt hingegen verlässt mich nie und nirgendwo, auch dort nicht.

  Es sind bestimmt nicht nur die großen räumlichen Distanzen, ebenso wenig die Weite und Menschenleere, sondern es ist unter anderem diese zum kanadisch-alaskanischen Kulturkreis gehörende gegenseitige Achtsamkeit der Menschen dort, die dieses wohltuende da-gehöre-ich-hin-Gefühl grundsätzlich befeuern.

  Während der letzten Reise überrannte mich auf einer langen einsamen Straße sogar die Vorstellung, meinem Sehnsuchtsort noch näher kommen zu können, würde sich mein Körper jetzt auf dieser leicht geschwungenen, hügeligen Geraden gen Norden einfach immer weiter geradeaus bewegen. Dabei gab es um uns herum nur einen von schlanken Black Spruce Trees durchsetzten, endlosen Teppich von Pionierbirken.

  Mein Ich könnte sich einfach losgelöst von dieser Straße hineinbewegen ins grenzenlose Land, weg von allen Verpflichtungen, Sorgen, Nöten und Zukunftsängsten. Einem Rechen gleich könnten die Bäume die Verzweiflung über das Kommende, das Unabwendbare abstreifen und zurückhalten und ich könnte derart eins werden mit dem hier und jetzt, in ewiger, grenzenloser Freiheit mit diesem, meinem Sehnsuchtsort.

  Nicht mehr weiter müssen, angekommen zu sein, hier hinzugehören, dieses Empfinden habe ich in dieser Intensität nur in Alaska. Mag es anderswo genauso aussehen, mag ich mich an anderen Stellen auf der Welt genauso wohl und heimelig fühlen, es ist dennoch nicht das Gleiche.

  Auf der letzten Reise wurde mir aber auch klar, dass mein ehemals kindlicher Traum und meine gegenwärtige Beziehung zu diesem Land, von der Abwesenheit jeglicher imaginärer und realer Notstände geprägt ist. Denn all die positiven, mitreißenden und Fantasie bestätigenden Erlebnisse, geschahen, wie schon gesagt, immer nur unter den best machbaren Umständen. Wie ein Vogel kreiste ich immer über all den Widrigkeiten des dortigen Lebens, ohne von derlei je wirklich betroffen zu sein.

  Ach nein, ein einziges Mal betraf, ja berührte es mich/uns doch sehr direkt und in aller Schärfe. Es war am vorletzten Tag, bei Tempo 90, auf der Küstenstraße des Turnagain Arms, nicht weit vor Anchorage. Ein kaum realisierbarer Schatten vorne rechts. Ein dumpfer Schlag und ein etwa faustgroßer Stein durchschlug unseren Kühlergrill und ein weiterer kopfgroßer Stein hinterließ eine große Delle im Kotflügel. Steinschlag!

  Eine tausendstel Sekunde schneller, einen halben Meter weiter rechts, nicht auszumalen, wenn es einen von uns direkt getroffen hätte. Die Windschutzscheibe jedenfalls hätte keinen dieser Steine aufgehalten.

  Der folgende Abend, der so gleichermaßen zu einer Abschieds- und Geburtstagsfeier wurde, der alle Erlebnisse und Gedanken dazu sammelte. Der, der der Fantasie und dem Gefühl, Raum und Zeit gab, verhalf am Ende der Vernunft zum Sieg.

  So kam mir in letzter Konsequenz mein Traum als solcher zwar nicht abhanden, doch die Vernunft ließ mich das Lebensziel Alaska letztlich doch verlieren, denn die Attribute des Alters gestatten einfach keine großen Experimente mehr. Sie fordern Sicherheit in Form eines Arztes um die Ecke, also einer Notwendigkeit, von der die allermeisten Orte Alaskas meilenweit entfernt sind.

  Nun denn: „Es war einmal.“ Beginnen nicht alle Märchen so? Und enden nicht alle auch immer vor der letzten Seite, noch bevor der Deckel zugeschlagen wird? Doch nicht nur deshalb endet hier auch meines. Gibt es doch keine vorstellbaren Gründe mehr, in mein traumhaftes Alaska noch einmal leibhaftig zurückzukehren. Zehn Stunden Rückflug in gefalteter Haltung machen diesen meinen letzten Abschied, dann auch wirklich zum allerletzten.   
*    *    *
Große Kanada-Alaska-Reise vom 13.5.18 bis 17.6.18 
Herford-Frankfurt Zug
Frankfurt-Toronto Flug
Toronto-Vancouver Eisenbahn
Vancouver-Whitier/Alaska Schiff
Whitier/Anchorage-Fairbanks-Anchorage Auto
Ancorage-Frankfurt Flug
Frankfurt-Herford Zug. 
*     *     *

Euch allen besinnliche Festtage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

Hartmut und Conni
 



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Re: Wer´s glaubt wird selig, wer nicht, muss auch warten

Beitrag von harcon » Di 30. Jun 2020, 09:57

Kurztripp in die Nachbarschaft.

Corona hin, Corona her, das Rentnerleben gefällt uns sehr.

 Was wohl auch daran liegt, dass wir wieder einmal Glück hatten. Weit in der Vergangenheit, quasi per Intuition, hatten wir die richtige Entscheidung getroffen. Wir kauften damals unseren OSKAR und welche Art Urlaub oder Reise ist derzeit sicherer, als mit der eigenen Wohnkloküche unterwegs zu sein.

 Nach ewig langer und erzwungener Pause aber nach gerade einmal 21 Kilometern, endete Oskars Rappel-, Klapper- und Quietschorchestrierung auch schon wieder. Dieses mal hatte es Löhne an der Werre sein sollen und in der Tat, nach 35 Minuten war dem dank Navi so geworden.

 Während wir angespannt und hoffnungsfroh auf die grüne Wand aus Baum und Strauch blickten, welche den Parkplatz von der Werre trennt und welche schon den intensiven Kontakt zu Oskars Stoßstange pflegte, knäckerte noch schnell Oskars Handbremshebel nach oben. Hurra, wir waren angekommen!

 Sicher und voller Zuversicht auf zwei schöne vor uns liegende Tage blickend, hatte uns Löhne mit erstaunlicher Ruhe empfangen. Es war gegen 14 Uhr, hatte bald 28 Grad Außentemperatur und zudem strahlenden Sonnenschein. Ansonsten war jedoch nirgendwo was los. Löhne war in Mittagspause.

 Doch ganz ehrlich, so wirklich sicher waren wir uns nicht, ob dieser Platz der Richtige sei. Er machte uns irgendwie keinen stimmigen Eindruck. Die Örtlichkeit ist nämlich auch der Wendehammer für die Schulbusse. Ansonsten war die Parkbucht die wir belegten, zumindest um diese Zeit sehr schattig. Auch standen wir auf Asphalt, dafür aber gerade und es duftete wunderbar nach Lindenblüten.

 Oskars Motor leierte noch die letzte Runde und schon fuchtelte mir ein freundlich drein blickender Herr, draußen neben meiner Tür stehend, entgegen. Ebenso freundlich lächelnd drehte ich deshalb die Scheibe herunter.
 „Hallo, suchen Sie etwas? Kann ich ihnen helfen?“, ließ er hören.

 Ich war echt erstaunt. So viel Hilfsbereitschaft kennen wir sonst nur aus Kanada oder Alaska. Nun gut, die Ambitionen des Mannes werden uns auf ewig verwehrt bleiben, doch freundlich war er, da kann man nichts weiter zu sagen. Und so erfuhren wir über ihn die Bestätigung, dass der Womo-Stellplatz etwas weiter vorne wäre und sehr schön gelegen noch dazu.

 „Aha!“

 Geschmeidig bedankten wir uns mehrfach für den Hinweis und Conni beschloss mit meiner unterstützenden Zustimmung, zu Fuß einmal nachschauen zu wollen. Was, gesagt getan, alsbald dazu führte, dass wir entschieden, lieber auf diesem Parkplatz stehen zu bleiben. Was erlaubt ist und... primär sehr viel ruhiger zu werden versprach, als dort auf dem Stellplatz, wo in rund 20 Metern Entfernung die recht viel befahrene Albert-Schweitzer-Straße vorbei führt.

 Selbstverständlich soll dieser Womo-Stellplatz durch einen aufgeworfenen Schallschutz-Erdwall vor all zu großem Fahrgeräuschpegel bewahrt werden, doch leider ist der weder sonderlich lang noch hoch und zudem wachsen davor Bäume, deren Blätterdach diesen Grundgedanken scheinbar zusätzlich konterkarieren. Zumindest macht es keinen großen Unterschied, ob man vor oder hinter dem Wall steht. Jedenfalls ist der Eindruck und die Angst, dass einem jeden Moment einer über die Füße fahren könnte, allgegenwärtig und uns Grund genug, am Wendehammer zu verbleiben.

 Davon abgesehen, der Womo-Stellplatz an sich ist ja wirklich schnuckelig. Mit Ver- und Entsorgung, mit Schattenplätzen und Strom und für 8 Euro die Nacht ganz ok. Nur der Krach den ganzen Tag und ob es nachts wirklich so viel leiser wird? Wir wissen es nicht! Wir gedachten schlauer zu sein, blieben sicherheitshalber auf dem total leeren Parkplatz vorm Schwimmbad stehen. Halleluja, ein Hoch auf diese Möglichkeit.

 Unsere beiden Elektrofaltklappräder waren recht zügig ausgeräumt und fahrbereit. Hoch sollte es gehen, in den Ortskern, um dort den ersten Profikaffee zu genießen. Doch wo ist der, der Ortskern? Ich gestehe, Händi und Navi, das ist nicht so wirklich mein Ding. Überhaupt wenn ich während des Fahrens mit Linken das Händi, mit der Rechten den Lenker fest im Griff haben soll.

 Wir waren ganz sicher da! Also dort, wo auf dem Navi der schwarze Punkt mit der Duftschleppe ist. (Woher die wohl immer wissen, dass ich mein gutes Rasierwasser aufgelegt habe?) Und wollten dahin, wo es Kaffee gibt.

 Also fuhren wir los und ich stellte recht schnell und enttäuscht fest, dass die Duftschleppe keine ist, sondern der Sichtwinkel! Hä? Könnte Google nicht einfach einen Pfeil oder ein Dreieck machen? So wie beim TOM-TOM. Also gut, alles noch einmal und genau anders herum.

 Trotz der Verzögerung erreichten wir über die Lübbecker Straße, kurz hinter der Brücke über die Werre, den Genusstempel namens Stadtcafé. Dort gab es für uns zwei Kaffee und ein Stück Kuchen. Na ja, ich will es mal so formulieren: Am Preis-Leistungsverhältnis ließe sich gewiss noch arbeiten. Dadurch aber gegen eine weitere Versuchung immunisiert, entschieden wir kurzer Hand weiter nach Bad Oeynhausen zu fahren.

 Es ist echt ein schöner Radweg. Super zu fahren und zumeist im Schatten. Jederzeit und für jeden zu empfehlen. Sogar ganz ohne Elektro spielend leicht zu schaffen. Und was soll ich sagen, ob Kaffee, Kuchen oder Eis, dort gibt es Derlei in maßlosem Überfluss, so wir schwächelten erneut und genossen ein weiteres Tässchen plus einem Pokälchen und noch einem Tässchen und... Man gönnt sich ja sonst nix.

 Die Rückfahrt gestaltete sich dann wieder so leichträdrig wie die Hinfahrt. Ich dachte zeitweise sogar, die hätten zwischenzeitlich die Fließrichtung der Werre umgekehrt. Es machte jedenfalls den Eindruck, als ginge es schon wieder nur bergab.

 Zurück beim Oskar wurde es dann allerdings etwas schwitziger. Die Sonne mittlerweile so positioniert, dass wir sie volle Breitseite abbekamen. Egal, ob Seitentür offen oder zu, mein lieber Mann, da hätte nur ein kühles Blondes gegen ankämpfen können. Das jedoch hatten wir nicht, denn das Gas war alle geworden und der Kühlschrank entsprechend warm.

 Zudem hatte sich der ruhige Wendehammer in unserer Abwesenheit in einen rammelvollen Parkplatz verwandelt. Hatte doch das Schwimmbad, für uns überraschend, für die Nachmittagssession geöffnet. Jedenfalls herrschte ein reges Kommen und Gehen. Dazu hatte der DLRG-Wasserwacht-Rettungs-Vereins-Club, Abteilung: „Tauchen“, offenbar seinen Atemflaschenauffüllkompressor in Betrieb genommen. Weshalb es stakkatohaft von links gegenüber ziemlich gewaltig brummte und rumorte und sich hinzu alsbald und abwechselnd ein Rattern von einer kleineren Baustelle von vorn rechts gesellte.

 Allein die Sonne blieb durchdringend stabil, versuchte uns unerbittlich ein Loch in die Kopfhaut zu brennen und veranlasste damit sogar Conni mit dem Gedanken zu spielen, vielleicht doch besser auf den Stellplatz umzusiedeln.

 Doch nein, wir zeigten uns hartnäckig. Wir blieben und schwitzten eine weitere Runde. So lange, bis die magische Stunde, nein, der magische Moment, gekommen war. Da tauchte die Sonne hinter ein Hausdach ab, das Schwimmbad schloss und unser Durst verführte uns, eine neuerliche Suchrunde für die Frage einzulegen: Wo kann man hier, am besten im schattigen Draußen, ein gut gekühltes Bier trinken?

 Der DLRG-Mann gab uns dann freundlicherweise den entscheidenden Tipp: Über die Werre links gäbe es einen Tennisclub mit Biergarten. Heureka, nichts wie hin.

 Mit gewisser Herzlichkeit erwartete uns der Wirt. Das Paulaner aus dem Fass zu drei Euro für das Nullvierer. Was wollten wir mehr? Bis um 23 Uhr nichts weiter. Dann wurde es auf der Terrasse kalt, trotz der sechs Stück davon und aufregender Unterhaltung mit Wirt und dessen Freund. Weshalb wir uns in Oskars heimelige Höhle zurück zogen. Welch wunderbare Nacht, in ausreichend promilisierter, seliger Ruhe erwartete uns.

 Neun Uhr dreißig in der Früh hielten wir es nicht mehr aus. Seit sechs Uhr knallten die Autotüren. Das Bad hatte nämlich wieder geöffnet und seit kurz nach acht versuchte zusätzlich ein Bobcat die Stille zu Grabe zu schieben, zumindest arbeitete der Mann mit gelbem Helm ganz eifrig daran. Ob das Zischen und Fauchen aus der Schwimmbadecke kommend vom Heizungs- und Gasinstallateur kam? Möglich! Die zwei Firmenwagen standen bestimmt nicht umsonst da. Auch musste über Nacht das Liegewiesengras auf Mannshöhe gewachsen sein, denn man konnte es eindeutig vernehmen, der Aufsitzmotorrasenmäher quälte sich schwer mit sägenden Taktfolgen. Doch nicht genug, es eierte zudem noch ein roter Hubschrauber im Zick-Zack mehrfach über Löhne und vermittelte den Eindruck auf der Suche nach einem Notlandeplatz zu sein. Dies alles natürlich mit laut wobbernden Rotorblättern.

 Wir hatten genug des Guten, schwangen uns deshalb erneut auf unsere Räder und radelten noch einmal ins Paradies, nach Bad Oeynhausen. Das empfing uns wieder wie gewohnt mit Kaffee, Kuchen und... natürlich Eis und dieses mal sogar mit einer Freundin, die dort in einer Klinik war.

 Während der nachmittäglichen Rückfahrt besuchten wir noch das Aqua Magica. Leider jedoch war dort nichts los gewesen, da zwar der Park frei zugänglich war, die Attraktionen aber nicht in Betrieb. Wegen...? Genau: Corona!

 Am folgenden Werre-Weser-Kuss, also dort, wo die Werre in die Weser mündet, da ist außer schlau drein schaun auch nichts weiter zu holen. Nun ja, ein Eiswagen mit lustiger Radler-Herren-Runde amüsierte sich noch dort. Alles in Allem aber war damit die ganze Radelei eher für die Muskeln gut, denn für einen bildungshungrigen Kopf.

 Derweil etwas müde, kehrten wir zu OSKAR zurück. Die dort gewandelte Lage stellte sich nun so dar, dass die Baustelle im Begriff war abgebaut zu werden. Des weiteren die Sauerstoffflaschen noch voll zu sein schienen und das Bad sich mächtig beeilte, seine Besucher los zu werden. Stille war im Anmarsch. Doch bis zu deren Vollkommenheit, trieb uns noch eine kleine Runde beim Paulaner-Wirt vorbei, um so dem Tag den Rest zu geben.

 Dann endgültig zurück und kaum dass ich unser Fahrräder mit unserer Anhängerkupplung verknotet hatte, mich entspannt auf meinen Drehsitzplatz räkelte und anfing meine Zeitung zu lesen, tauchte neben mir eine freundlich drein fuchtelnde Dame auf und veranlasst mich, unsere Schiebetür wieder etwas weiter zu öffnen.

 „Einen schönen guten Abend auch. Was kann ich für sie tun?“, waren meine Worte, mit denen ich lächelnd und mit freundlichstem Ton versuchte, jedwede unangenehme Willenserklärung ihrerseits, schon vor ihren ersten Worten, den Boden zu entziehen, doch sie konnte das auch:

 „Ja, Ihnen auch einen herrlichen guten Abend.“

 Wobei sie in Joggermanier gekleidet, die dazu passenden Bewegungsmuster weiter vor sich hin steppte und fortfuhr:

 „Sie müssen wissen, heute Abend, was sage ich, heute Nacht, wird hier die Hölle los sein. Es gibt heute die großen Abschiedspartys im Bereich der Schule und glauben sie mir, wenn die ordentlich gebunkert haben, dann sind die zu allem fähig.“

 Was mir sofort das Stuttgarter Drama unter die Schädeldecke zauberte und meine gerunzelte Stirn und mein offenbar fragender Blick die Dame dazu brachte, mir weiterführend zu erklären, dass unsere Fahrräder, die da hinten an der Anhängerkupplung, aufs äußerste gefährdet wären. Davon abgesehen, wäre es zu diesen Partys hier auf dem Parkplatz, in all den vergangenen Jahre, an die sie sich noch erinnern kann, die ganze Nacht über immer sehr laut hergegangen. Und ob wir denn nicht besser da vorne auf den Stellplatz umziehen wollten. Wäre sicherlich besser. Wobei sie ja nur unser Bestes wolle. Sie wären nämlich auch Camper und sie fühle sich deshalb dazu berufen, ich solle ihr doch bitte ihr Stören verzeihen, uns vor diesem drohenden Unheil zu warnen.

 Mittlerweile nickte ich sozusagen synchron zu ihrem Stehjogging und blickte wohl auch schon etwas paralysiert auf ihre strammen, niederfrequent schwingende Massen. Was ihr allerdings Übereinstimmung über alle Bereiche zu signalisieren schien und sie deshalb immer geneigter wurde unser kleines Têt-á-Têt ausbauend fortzuführen.

 Ich unterdessen versprach hoch und heilig, dass ich über ihre überaus hilfreichen Hinweise nicht nur nachdenken würde. Und ja, sie hätte völlig recht, man dürfe sein Glück nicht gar zu sehr durch Gleichgültigkeit herausfordern. Wobei ich insgeheim schon beschlossen hatte, zwar hier zu bleiben aber die Fahrräder, drinnen quer hinter die vorderen Sitze zu stellen. Was ich sogleich auch in Angriff zu nehmen gedachte.

 Connis aus dem hinteren Teil einsetzendes: „Wollen wir nicht doch besser...“, wiegelte ich erneut und allumfassend ab und alsbald schon begann die Nacht der Nächte: Ohne Ärger, ohne Krach, eher wie auf einem Friedhof, so erschliefen wir den nächsten Löhnemorgen.

 Schon zur hiesigen Ankunft hatten wir entdeckt, dass es sozusagen in unserer Sichtweite einen Edeka-Markkauf gab. Dort haben sie prima Frühstück für vier Euro und super Sitzplätze im Freien.

 Was liegt also näher?

 Der gleich nebenan vorhandene TOOM-Baumarkt, ersetzte uns für zwanzig Euro noch die leere Gasflasche.

 Was wollten wir mehr?

 Die Heimreise gelang wie geplant, sodass wir sogar noch um 15 Uhr unseren Enkel aus den Armen der Kita-Tanten retten konnten.

 Was kann das Rentnerleben doch so schön sein!
 
 
 30.6.2020



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