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Wer´s glaubt wird selig, wer nicht, muss auch warten

kurz vorgestellt

Beitragvon harcon » So 25. Jun 2017, 19:04

Schon mal gut zu wissen, dass auch solche einfachen Folien Verwendung finden können, ohne dass man sich danach ärgert.

Bin noch an weiteren Erfahrungsmitteilungen interessiert.

Gruß Hartmut
harcon Offline


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Beitragvon harcon » Sa 21. Okt 2017, 21:14

Eine Reise ohne Oskar.

Die Vorbereitungen.
Die sind seit Tagen abgeschlossen. Die Spannung steigt. All unsere Gedanken kreisen um was wir erwarten und die Hoffnung, dass es uns auch so erwarten wird. Die Papiere liegen bereit, die Koffer stehen an der Tür. An der Straßenecke erscheint der Wagen der uns zum Bahnhof bringen wird. Heftig packt uns das Reisefieber. Es geht los.
Die Bahnfahrt.
Sie entspannt. Das Reisefieber verfliegt, geht über in Reiselust. Die Lust auf das Fremde, das Neue. Sie weckt in uns die Nervosität, die entsteht, wenn Erwartung, Hoffnung und Realität aufeinander treffen.

Der Flug.
Beginnend mit Einchecken. Dann warten, warten und nochmal warten. Verbunden mit dem tiefen Wunsch auf Pünktlichkeit. Kaum gestartet, in die Luft erhoben, die Start-, Landeklappen noch nicht wieder eingefahren, spüren wir schon die Enge, das Verurteiltsein zu Starre, zu Inaktivität, doch es keimt auch ein kleines Glücksgefühl. Geschah bisher nichts außerplanmäßiges, so möge doch aus dem guten Anfang ein wunderbares Weiter werden. Wir hoffen und sehnen uns, harren aus und warten.

Die Ankunft.
Ist eine gekonnte Landung, sie bringt den Duft der neuen Welt. Ist gepaart mit stark gebremstem Rhythmus und einer wohltuende Freundlichkeit der Menschen. Ist geprägt vom Gefühl gewisser Nähe und Übereinstimmung, suggeriert durch das Distanz niederreißende „YOU“, doch ohne Respektlosigkeit, ohne Überheblichkeit, trotz unserer mangelhaften Ausdrucksweise.

Die Ziele.
So wie wir sie anstreben, in Gelassenheit und Nachsicht, bedingt dies Ausdauer. Sie liegen weit voneinander entfernt, doch haben wir Zeit, viel Zeit. Nichts drängt uns, niemand hetzt. Für uns werden die Straßen zunehmend zu entschleunigten Bändern der Einsamkeit. Die Ziele selbst, die Orte, die Parks, das hier Normale rundum, vermittelt uns das beruhigende Gefühl am richtigen Ort zu sein, den richtigen Platz, den Sehnsuchtsort gefunden zu haben.

Das Land.
In seiner Weite, seiner Größe, wechselt ab zwischen wilder Leere und wohlorganisiertem Kulturland. Geschichte, so kurz sie sein mag, ist bedeutend, wird gelebt und feierlich inszeniert. Dem Alltag ist dabei eine friedfertige, tolerante Freundlichkeit zu eigen, die auf uns ausgleichend und beruhigend wirkt. Das Wohlfühlgefühl umschmeichelt uns täglich intensiver, sorgt für immer gefestigtere innere Ruhe und Gelassenheit. Selbst bizarrste Fastfoodangebote können wir bald schmerzfrei annehmen oder gelassen ablehnen. Das Leben ist einfach schön.

Die Menschen.
Die, die uns begegnen, egal ob in freier Natur, auf den Straßen, als „Bed & Breakfast“ Betreiber, als Hoteliers, Restaurant- oder Tourist-Info-Personal, fast alle strahlen uns mit freundlicher Miene entgegen, sind hilfsbereit und zuvorkommend. Wir erleben live und ohne Übertreibung, den gewissen Kontrapunkt zu unserer Heimat und einen der tieferen Gründe, warum wir hier sind.

Der Abschied.
Es ist kein Rollen, kein Stampfen, es ist einfach ein weiches Wiegen, ein behutsames Auf und Ab, in flachen kleinen Wellen, ohne gekräuselte Kämme oder gar sich überschlagende Wasser. Es ist unsere Fähre, die uns zurück bringt, immer weiter hin zum traurigen endgültigen Abschied.

Schon der ganze Tag ist geprägt von zarten Tönen. Beginnend mit einem fast gehauchten:
Wach auf, es wird Zeit. Dann die lieben Worten beim Abschied der Gastgeber. Anschließend das nur leise Surren unseres Wagens, verursacht durch unsere äußerst moderaten Geschwindigkeiten über Land und nur sachten Stops und Gos in den Orten. Immer begleitet von den überaus sanften Farben des beginnenden Indian Summer, der alles um uns herum auch in Nebel und sprühende Feuchte tauchen kann.

Ja in unserem Empfinden sind heute die Töne allen Seins irgendwie besonders anmutig. Sie verleiten zum in sich gekehrt sein und der Erkenntnis, das wir bevorteilt sind vom Leben und dass diese Ruhe und Gelassenheit, die uns die letzten Wochen umgeben hat, bald zu Ende sein wird.

So wie die Ahornblätter im letzten Stadium, bevor sie verwelken, sich noch einmal mit leuchtendem Rot von der Welt verabschieden, so versuchen wir mit letzten Gesprächen, auch mit Menschen die wir nicht kennen und denen wir wohl nie mehr begegnen werden, unseren letztes Abschied zu zelebrieren.

Nicht mehr lange hin und wir werden in einem Flugzeug sitzen, dann laut fauchend gen Himmel streben und uns wieder finden in Hektik, Hetze und Unvernunft. Wir werden wieder zu Hause sein, an dem Ort sein, den wir Heimat nennen, doch den wir tagtäglich mit zwiegespaltenen Gefühlen erleben, denn unsere Sehnsüchte sind andere.

Adieu Canada.
Zuletzt geändert von harcon am So 22. Okt 2017, 18:47, insgesamt 4-mal geändert.
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Beitragvon rittersmann » So 22. Okt 2017, 07:11

Hallo ihr beiden,

schön wieder mal von euch zu hören. Eine wunderbare, poetische Beschreibung einer für euch wohl ebenso wunderbaren Reise.

Tja, es muß nicht immer Wohnmobil sein. :D
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Beitragvon harcon » So 22. Okt 2017, 13:45

Hallo Ihr Rittersleut
und all Ihr anderen Interessierten.

In der Tat haben wir uns hier etwas rar gemacht. Dies ist aber einzig den Lebensumständen geschuldet, die nichts mit der Mobilen Freiheit oder gar unserem Oskar zu tun haben. Haben wir doch letztes Jahr Anfang Dezember unseren Wohnort gewechselt und führen seither den Kampf um Gewohntes und Neues. Halt wie das so ist, wenn der übliche Aldi weit weg und der neue erst gesucht werden muss.

Das Auflösen des alten Haushalts inklusive Verkauf des ganzen Hauses zieht sich bin jetzt und noch ist nichts in endgültigen Tüchern. Man mags nicht glauben, aber es ist in der Tat so, dass es auch einen Trennungsschmerz, bezüglich einer Werkbank, eines Trennschleifers oder eines Eimers alter Schrauben gibt. Wenns drauf ankommt zählt halt bewährtes mehr, als alles andere. Zumindest scheint dies in vorgerücktem Alter so zu sein. Gehts anderen etwa auch so?

Auf der anderen Seite haben wir trotzdem so einige Reisen gemacht. Unter anderem eine Mietwagenrundreise in Ostkanada. Der Einsatz Oskars wurde dadurch aber nicht wirklich geschmälert, denn wir waren in unserer neuen Heimat öfter mal für ein paar Tage unterwegs. Der Norden, unser neues Revier ist allerdings bei weitem noch nicht ausreichend erkundet. Dazu brauchen wir schon noch ein paar weitere Jahre. In diesem Sinne freuen wir uns erst einmal auf das nächste Treffen der Mobilen Freiheit im Frühjahr, gepaart mit der Hoffnung, dass dieses nicht gar zu weit im Süden sein wird.

Wir hoffen, Euch allen geht es gut und dass wir uns gesund und munter wiedersehn.

Hartmut und Conni,

sowie Oskar der hinten rechts oben ein Erkennungszeichen bekommen hat.
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Beitragvon nelly » So 22. Okt 2017, 15:45

Das war wahrlich wieder spannend und lustig zu lesen! Und Oskars Tätowierung ist sehr hübsch!

Dann wohnt ihr nun in der nördlichen Zentrale des Odenwaldes? ;-)

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Beitragvon jion » So 22. Okt 2017, 17:01

Hallo Hartmut,
Das sind wieder mal sehr schöne Zeilen von dir zu lesen. An dir ist echt ein Schriftsteller verloren gegengen. Welcome back.
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